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Cloud-Migration im Mittelstand: Lift-and-Shift, Replatforming oder lassen?

Cloud-Migration im Mittelstand: Lift-and-Shift, Replatforming oder lassen?

Dennis Reinkober2 Min. Lesezeit
TL;DR

Entscheidet pro Workload, nicht pro Firma. Lift-and-Shift bringt euch schnell von sterbender Hardware runter, nimmt aber jedes alte Problem mit — und kostet unoptimiert oft mehr als der alte Server. Replatforming auf Container plus Managed Database ist der übliche Sweet Spot. Stabile, isolierte Systeme kurz vor dem Lebensende lasst ihr am besten in Ruhe. Budget: 15.000–60.000 € über 2–4 Monate — und niemals alles an einem Wochenende.

Der Auslöser ist meist ein Server-Rack ohne Garantie oder ein Hosting-Vertrag, an dessen Unterschrift sich niemand erinnert. Dann sagt jemand „wir ziehen alles in die Cloud" — was in Wahrheit drei verschiedene Entscheidungen im selben Trenchcoat sind.

Lift-and-Shift, Replatforming oder lassen?

OptionWas es bedeutetPasst fürDer Haken
Lift-and-ShiftVMs 1:1 in Cloud-VMs kopierenZeitdruck, sterbende HardwareAlte Probleme ziehen mit; überdimensionierte VMs kosten oft mehr als der alte Server
ReplatformingContainer + Managed DatabaseAktiv entwickelte AnwendungenEchte Engineering-Arbeit vorab
LassenBleibt, wo es istStabile, isolierte Systeme nahe am LebensendeBraucht einen benannten Owner und ein Enddatum

Was viele überrascht: Lift-and-Shift erhöht häufig die Monatsrechnung. Cloud-Preise belohnen Elastizität — und die 1:1-Kopie einer On-Prem-VM, die für ihren schlimmsten Tag dimensioniert wurde, ist das Gegenteil davon. Replatforming rechnet sich, weil Managed Databases euch Patching, Backups und Failover abnehmen und Container ehrliches Rightsizing erlauben.

In welcher Reihenfolge migriert ihr?

Erst die Inventur: jedes System, sein Owner, seine Daten. Dann die Abhängigkeiten kartieren — das ERP, das still vom Fileserver liest, ist das, was Migrationen ruiniert. Dann einen risikoarmen Workload auswählen, migrieren, alt und neu parallel laufen lassen, ein bis zwei Wochen Ergebnisse vergleichen, umschalten.

Danach der nächste Workload. Der klassische Fehlschlag ist das Gegenteil: alles auf einmal an einem Wochenende. Das presst das gesamte Risiko in 48 Stunden ohne Fallback, und der Montagmorgen wird zum Incident Review. Sequenzielle Migration ist im Kalender langsamer — und in der Praxis dramatisch schneller.

Die Hausaufgaben: Lizenzen, DSGVO, Datenstandort

Bevor irgendetwas umzieht, drei unglamouröse Checks. Lizenzen: Manche On-Prem-Lizenzen gelten nicht auf Cloud-VMs. Auftragsverarbeitung: ein DSGVO-konformer AVV mit dem neuen Anbieter, bevor Kundendaten dort landen. Datenstandort: Wenn eure Verträge Daten in Deutschland oder der EU zusichern, wählt Regionen (oder einen EU-Anbieter) entsprechend. Alle drei sind vor der Migration billig zu klären und danach teuer.

Was kostet eine Cloud-Migration im Mittelstand?

Aus unseren Projekten: 15.000–60.000 € über 2–4 Monate, je nach Anzahl der Workloads und Verflechtung der Abhängigkeiten. Lift-and-Shift liegt am unteren Ende, verliert dann aber monatlich Geld; Replatforming kostet vorab mehr und ist meist ab Ende des ersten Jahres günstiger. In beiden Fällen gehört ein Kostenoptimierungs-Durchgang ein paar Monate nach dem Cutover in den Plan — erst dann gibt es echte Nutzungsdaten.

Genau so führen wir Mittelstands-Migrationen durch — Inventur, Sequenz, Parallelbetrieb, Cutover — als Teil unserer Cloud & DevOps Projekte.

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